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Newsletter der deutschsprachigen Abteilung von DAC Beachcroft

Published 24 May 2018

Liebe Freunde der deutschsprachigen Abteilung!


Das Thema Brexit dominiert nach wie vor die Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und Europa. Die zunehmende Anzahl von Anfragen zu diesen Thema hat uns dazu bewogen eine Reihe von kleinen und überschaubaren Beiträgen zu diesem Thema zusammenzustellen. Diese Beiträge werden in den nächsten Wochen und Monaten aus britischer Sicht, aber auf Deutsch, aktuelle Entwicklungen und längerfristige Themen im Zusammenhang mit Brexit beleuchten. Der heutige Beitrag betrachtet die Thematik auch aus amerikanischer Sicht und basiert auf einer hochkarätigen Mandantenveranstaltung, die wir vor kurzem in London abgehalten haben. Weitere Beiträge werden sich dann mit den historischen Entwicklungen, die zum Brexit geführt haben, und konkreten Vorbereitungstipps beschäftigen.
Ich wünsche Ihnen, wie immer, viel Spaß bei der Lektüre. Natürlich stehen Ihnen die Mitglieder der deutschsprachigen Abteilung für weiterführende Gespräche gerne zur Verfügung und auf unserer Webseite befinden sich auch weitere Informationen zum Thema Brexit und zu unserer deutschsprachigen Abteilung.

Brexit aus britischer, amerikanischer und deutscher Sicht

Am 9. Mai veranstaltete DAC Beachcroft ein Brexit-Seminar, das Vertreter aus der Wirtschaft aus Großbritannien, den USA und Deutschland zusammenbrachte:

  • Dr. Adam Marshall (Generaldirektor der britischen Handelskammern, British Chambers of Commerce);
  • Susan Danger (CEO der US-Handelskammer in der EU, AmCham EU), und
  • Prof. Dr. Wernicke (Leiter der Rechtsabteilung, Verband der deutschen Industrie- und Handelskammern, DIHK)

Die Veranstaltung wurde von Natalie Sarkic-Todd moderiert, Senior Director bei EurActiv, Europas größtem unabhängigen Medien-Netzwerk für EU-Politik.

Die Panel-Mitglieder betonten einstimmig, dass es die praktischen Gesichtspunkte von Wirtschaft und Handel sind, die für alle Unternehmen am wichtigsten sind, unabhängig von Größe, Sektor und politischer Ausrichtung. Die nächsten sechs Monate müssten deshalb Klarheit und Sicherheit für Unternehmen in Form von Antworten auf ihre vielen praktischen Fragen liefern.

Die Britische Perspektive

Adam Marshall wies darauf hin, dass die britische Wirtschaft nicht monolithisch ist – weder in ihren Ansichten über Brexit noch hinsichtlich Handlungen, die seit dem Referendum durchgeführt wurden. Er vertrat die Ansicht, dass sich die Debatte bisher zu sehr auf die institutionellen Rahmenbedingungen konzentriert hat - und nicht genug auf die sogenannten "Propeller-Themen", denen sich Unternehmen gegenübersehen.

Es könne längerfristig Möglichkeiten für positive Veränderungen geben. Allerdings würden die meisten Unternehmen kurzfristige Veränderung bzw. Umbruch mehr fürchten als die Einhaltung von Standards, an die sich bereits angepasst haben.

Herr Marshall äußerte sich ebenfalls zu den Vor- und Nachteilen einer Zollunion mit der EU. Auch hier gäbe es keine einheitlichen Ansichten britischer Unternehmen – solche, die mit hochintegrierten Lieferketten arbeiten, sehen diese als wesentlich an; während andere sich eher über künftige Wettbewerbsnachteile Sorgen machten.

Laut Herrn Marshall gab es bei britischen Unternehmen keinen nennenswerten Appetit auf ein "No Deal" Ergebnis. Allerdings gäbe es zunehmende Besorgnis, dass es einen sogenannten „Hard Brexit“ geben könnte - ohne Klarheit über die potenziellen Folgen.

Die US Perspektive

Stellvertretend für US-Unternehmen, die in Europa tätig sind, wies Susan Danger darauf hin, dass US-Unternehmen jahrzehntelang von der Fähigkeit profitiert haben Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen über EU-Grenzen hinweg und unter gemeinsamen Vorschriften nahtlos zu bewegen, oftmals mit der UK als sogenanntes "Launch Pad".

Für eine Beziehung, die von Vorteil für beide Seiten sei, sowohl für Unternehmen als auch die Gesellschaft, wäre die Umsetzung folgender Empfehlungen wichtig:

  1. Ein klarer Wegweiser für Brexit: ein Austrittsabkommen ist der Schlüssel zur Vermeidung eines schädlichen "No-Deal" - Szenarios. Es sollte einen klaren Rahmen für die zukünftige Beziehung enthalten, basierend auf Input das von Unternehmen erbracht wird.
  2. Wachstum und Stabilität: Emotionen dominieren weiterhin die Debatte auf beiden Seiten und schädigen die Aussichten für das bestmögliche Abkommen. Ein flexibler, neutraler Ansatz ist unerlässlich, um einige der unlösbarsten Probleme von Brexit zu lösen.
  3. Übergangsregelung: eine Übergangsregelung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich sollte so lange dauern, wie es für beide Parteien erforderlich ist, um sich auf eine tiefe und langfristige Partnerschaft zu einigen. Unternehmen müssen auch angemessen Zeit haben, sich an neue Anforderungen anzupassen, um Kontinuität aufrechtzuerhalten.
  4. Marktzugang: die EU und das Vereinigte Königreich sollten in Zukunft so weit wie möglich gemeinsame Regulierungssysteme und den freien Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr über den Kanal beibehalten. Die Beibehaltung des derzeitigen Niveaus des Marktzugangs mit Drittländern ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.
  5. Fähigkeiten und Talente: die Fähigkeit für Unternehmen die richtigen Fähigkeiten zu nutzen und das qualifizierteste Personal zu beschäftigen ist entscheidend für ihren Erfolg. Die andauernde Verfügbarkeit von Qualifikationen und Talenten für Unternehmen wird für Investitionen und Wachstum von entscheidender Bedeutung sein.

Die deutsche Perspektive

Stephan Wernicke präsentierte eine aktuelle Umfrage der DIHK unter deutschen Unternehmen, die Aufschluss darüber gibt, welche Prioritäten für die Brexit-Verhandlungen aus deutscher Sicht bestehen sollten.

Laut dieser Umfrage sahen deutsche Unternehmen in jeder zukünftigen Zoll-Bürokratie eine große Gefahr, einschließlich der "immensen" Kosten, die diesem Prozess beigemessen werden. Die gleiche Umfrage zeigte auch eine zunehmende Tendenz auf, Investitionen aus dem Vereinigten Königreich in andere Länder in Europa zu verlagern.

Herr Wernicke betonte, wie wichtig das Vereinigte Königreich für Deutschland sei, nicht nur als fünft wichtigster Handelspartner, sondern auch aus politischer Sicht. Er erinnerte sich an seine Zeit als Mitglied des Kabinetts des damaligen EU-Kommissars für Unternehmen und Industrie, Herrn Verheugen. In diesem Zusammenhang erwähnte er, wie wichtig das Vereinigte Königreich seit jeher als Allierter Deutschlands im EU-Rat war. Allerdings hätte der Schutz des Binnenmarktes höhere Priorität.

Viele Menschen in Deutschland würden immer noch glauben oder hoffen, dass das Vereinigte Königreich seine Meinung über seine Mitgliedschaft in der EU ändern würde.

Wie auch die anderen Redner bestätigte Herr Wernicke, dass die rechtliche Unsicherheit unter den deutschen Unternehmen immens sei. Dies stünde im krassen Gegensatz zu der dringenden Notwendigkeit, die Folgen des Brexit im täglichen Geschäft (EU-politische Entscheidungen, Regulierung, Verträge und Rechtswahl usw.) so schnell wie möglich anzugehen. Die Auswirkungen konkurrierender Rechtssysteme müssten auch sehr sorgfältig behandelt werden, damit Europa als Wirtschaftsforum keinen Schaden erleide.

Das Publikum wurde gebeten, eine Abstimmung über Fragen, wie die Chancen und Risiken des Brexit vor und nach der Diskussion abzugeben.

Sie können die Ergebnisse hier einsehen.

Authors

Harald Loeffler

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Dr Alexandra von Westernhagen

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Jonathan Deverill

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